Dann kam also Weihnachten und ich verbrachte den Heiligabend ganz traditionell mit der Familie, genau wie C. auch. Wir hatten nachmittags kurz telefoniert und schrieben uns den ganzen Abend SMS und ich fand es ein wenig bedenklich, dass er mich ständig „Maus“ nannte. Das ging mir nun wirklich alles ein wenig schnell.
Irgendwann wurde mein Bruder neugierig, weil ich ständig mit dem Handy beschäftigt war, und er nahm es mir weg und las die Nachricht, die ich gerade von C. bekommen hatte. „Aha, du schreibst also die ganze Zeit mit einem Kerl!“ Die Reaktion meiner Mutter: „Hab ich mir doch schon gedacht, sie ist neulich Nacht auch nicht nach Hause gekommen.“ Na wunderbar, ganz tolles Gesprächsthema beim Weihnachtsessen! Ich wäre am liebsten verschwunden!
Am nächsten Morgen wachte ich auf und wusste nicht, was ich tun sollte. Heimlich nach Hause abhauen ging nicht, denn ich war so ca. 20 km von zu Hause entfernt, und wusste ehrlich gesagt gar nicht so ganz genau wo ich war. Wir waren ja mit dem Taxi zu ihm gefahren, es war dunkel und so… Ich wusste aber nicht, wie es denn so wird mit uns beiden, ob wir ganz normal miteinander umgehen könnten usw.
Er wachte dann kurze Zeit später auch auf, es war anfangs ein bißchen peinlich, aber wir verstanden uns immer noch genauso gut wie am Abend davor. Er fuhr mich dann irgendwann nach Hause, natürlich nicht ohne dass wir unsere Telefonnummern ausgetauscht hatten.
Gegen Abend war ich mit unserem gemeinsamen Bekannten fürs Kino verabredet, Herr der Ringe, keine Ahnung welcher Teil in dem Jahr lief, aber wir wollten vorher noch den vorausgehenden Teil auf DVD gucken. Als ich da ankam kamen natürlich sofort die Fragen, wo ich denn gestern abgeblieben wäre. Als ich sagte, dass ich bei C. übernachtet hätte kam ein ungläubiges „NEIN…“ mit einem fetten Grinsen. Mein Gott, war mir das alles unangenehm.
C. wusste was ich an dem Abend vorhatte, hat es aber anscheinend vergessen oder es war alles geplant, ich weiß es nicht, denn kaum zehn Minuten nachdem wir den Film gestartet hatten klingelte das Telefon. Es war C., der von meinem Kumpel genauere Informationen über mich haben wollte, die er ihm natürlich nicht geben konnte, da ich direkt neben ihm saß! Wie gesagt, vielleicht war das von C. so geplant, damit ich weiß, dass er sich näher für mich interessiert… Das wusste ich nun also, und ich fand es gut!
Am 22.12.2003 lernten wir uns kennen. Wir beide wurden von Freunden mitgeschleppt, hatten eigentlich gar keine große Lust auszugehen. Was für ein Glück, dass wir uns haben überreden lassen!
Es war in einer Disco und der allererste Kontakt war kein unbedingt netter. Ich stand an der Bar und wartete schon ewig lange auf mein Bier. Plötzlich stand er neben mir, ob ich ihn da allerdings schon wahrgenommen habe weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Erst als die Kellnerin mit MEINEM Bier auf uns zukam und er es mir vor der Nase wegschnappte (immerhin hat er es selbst bezahlt) fiel er mir so richtig auf. Zum Glück bekam ich kurz danach ein neues Bier… Ich ging dann und suchte meine Leute und sah dann IHN, wie er mit einem Freund von mir sprach. Ich ging auf die beiden zu, stellte mich zu ihnen und wir kamen ins Gespräch. Später, als wir schon zusammen waren, erzählte er mir, dass er richtig Angst hatte, als er mich kommen sah, da er nicht wusste, dass ich seinen Gesprächspartner kannte und er dachte, ich komme um ihn wegen des Biers anzumeckern ;-)
Wir trennten uns den ganzen Abend nicht mehr, hatten richtig viel Spaß zusammen und seine Kumpels gaben mir mehr als einmal zu verstehen, dass er mich wirklich sehr nett finden würde, also war ich irgendwie schon ein bißchen auf der sicheren Seite... Nach und nach verschwanden alle Leute, mit denen ich da war. Das bedeutete, dass ich keine Möglichkeit mehr hatte irgendwie nach Hause zu kommen oder bei jemandem zu schlafen. „Dann pennst du halt bei mir“ sagte er, und ich stimmte zu. Im Taxi zu ihm fingen wir an rumzuknutschen. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass es von mir ausging und dass ich mich ehrlich gesagt nicht mehr genau erinnere, wie es dazu kam… Vor allem, da wir nicht alleine im Taxi waren, sondern zu viert. Normalerweise wäre es mir peinlich gewesen vor lauter Fremden mit einem weiteren Fremden zu knutschen… Tja. Irgendwann während der Taxifahrt mussten wir dann an der Tankstelle anhalten, offiziell um Zigaretten zu kaufen, inoffiziell (wie ich erst viiieel später erfahren habe) wurden Kondome gekauft, die er nicht einmal selbst bezahlt hat, weil er kein Geld mehr hatte. Es war wohl nicht mal seine Idee, der Kumpel, mit dem er reinging, meinte, das wäre eine wichtige Investition für das weitere Gelingen des Abends. Oh Mann, da hat er echt gut daran getan, dass er mir diese Geschichte erst ein Jahr später oder so erzählt hat!
Bei ihm zu Hause angekommen redeten wir stundenlang über dies und jenes und, wie sollte es anders sein, landeten schließlich im Bett… Die Kondome hatte er übrigens irgendwann, wohl als ich mal kurz ins Bad verschwunden war, in eine seiner Schubladen gepackt, so dass es nicht auffiel, dass er sie gerade erst gekauft hatte (bzw. hatte kaufen lassen). ;-)
Ein guter Freund sagte, unser Kennenlernen wäre eine Geschichte, die es wert wäre, dass über sie geschrieben wird...
Ich habe mich nun dazu entschlossen, eigens eine Rubrik für dieses Thema einzurichten, denn ich gebe ihm Recht.
Unser Kennenlernen ist eine lustige Geschichte. Ehrlich gesagt habe ich mich immer ein bißchen für die Geschichte geschämt, denn sie ist nichts, was man später mal seinen Enkelkindern erzählt, keine romantische Geschichte, dafür aber lustig und auf jeden Fall wert, sich an sie zu erinnern.
Damals hätte wohl niemand gedacht, dass sich aus dem ersten Abend eine dreijährige Beziehung entwickeln würde, ich vielleicht am allerwenigsten. Aber so kam es, vielleicht ungewöhnlich, aber wundervoll! Und die vielen Erinnerungen an diese schönen drei Jahre teile ich nun mit Euch...
Nun ist es neun Wochen her und noch immer ist nichts besser...